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Klingelmännchen und andere wunderbare Dinge PDF Drucken E-Mail
An Englishman in New York – Kolumne von Emlin Borkschert

Klingelmännchen und andere wunderbare Dinge

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Schön, dass es manche Dinge immer noch gibt.

Gestern bei meinem allabendlichen Spaziergang mit dem Hund habe ich das wieder gedacht. Als mir eine Horde Kinder entgegengekommen ist, die einen Riesenspaß hatte bei ihrem Spiel. Pingeljagd, oder wie man hier sagt: Klingelmännchen. Und so höflich. „Nein“, sagte das Mädchen, „hier dürfen wir nicht klingeln, hier wohnen alte Leute.“

Was mich vor eine interessante Frage stellt: Was werden die Kinder in Manrode eigentlich spielen, wenn es in ein paar Jahren ausschließlich alte Leute gibt? Richtige Antwort: Gar nichts, brauchen sie auch gar nicht. Warum das? Weil es in ein paar Jahren eh keine Kinder in Manrode mehr geben wird.

Denn warum sollten Familien mit Kindern in kleine Dörfer ziehen, in denen es keinen Kindergarten mehr gibt? Wo selbst im Nachbarort die Grundschule demnächst geschlossen wird? Das Dorf wird sterben, so wie das Schließen von Lebensmittelladen, Bank und Post schon vor Jahren die erste Alterserscheinung gewesen ist.

Was also tun, um das abzuwenden? Eine zweite interessante Fragestellung: Warum hat man die Grundschüler aus Manrode nicht einfach nach Bühne geschickt anstatt in das weitere Borgentreich? Vielleicht bin ich als Zugezogener ja nicht in der Lage, die Beweggründe zu verstehen. Aber für mich klingt das nach falschem Stolz. Und Stolz ist oft nur Dummheit, die nicht eingesehen wird. Stattdessen nimmt man lieber in Kauf, dass das Dorf stirbt...
Schön, dass es manche Sachen noch gibt. Genießen wir sie, solange es noch geht.


© Emlin Borkschert 2012