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Manrode 21 oder Der seelische Beistand PDF Drucken E-Mail

An Englishman in New York – Kolumne von Emlin Borkschert

    Manrode 21 oder Der seelische Beistand

Manrode-0346Wir wollten nur ein bisschen renovieren. Keiner hat uns gesagt, dass daraus eine Lebensaufgabe werden kann.
Gut, ein Badezimmer ist wohl niemals ein kleiner Eingriff. Das war selbst mir als handwerklich interessefreiem Menschen irgendwie klar. Deshalb habe ich mit etwas Dreck und Lärm durchaus gerechnet. Mit Farbspritzern und Gestank ab und an. Müll, Kartons und Abdeckplane notgedrungen. Aber auch damit, dass nach spätestens zwei Wochen der Spuk vorbei wäre, ich in meiner neuen Wellnessoase relaxen und den Ärger über die Unannehmlichkeiten der letzten vierzehn Tage sozusagen die neue Toilette hinunterspülen könnte. Immerhin muss man sich enorm einschränken, so ohne fließend Wasser im Haus – wenn man das Gästebad mal außen vor lässt.
Doch fast zwei Monate später ist die neue Dusche immer noch nicht zu gebrauchen. Die Waschbecken haben mindestens zwei weitere Wochen Verspätung. Stattdessen wächst der Staub in den entlegensten Winkeln zu dicken Schichten heran und mit ihm der Eindruck, das Projekt wird zu unserem persönlichen Stuttgart 21. Vor allem, was die Kosten betrifft. Die Handwerker haben mittlerweile den Status von Untermietern, die sich auch zum Kaffee holen selbständig durchs Haus bewegen. Sogar ihr Bulli hat eine eigene Parkbucht auf Manrodes Hauptstraße erhalten. Auf diese Weise wird jedem, der daran vorbei fährt, zuverlässig signalisiert: hier wird renoviert. Immer noch!
In Zeiten der Not kommt der seelische Beistand von allen Seiten. Jeder, den man trifft, erkundigt sich höflich nach der aktuellen Sachlage, sei es beim Kommunionsessen, beim Hundeausführen oder beim Tanken. Manrode ist eben ein Dorf, in dem man sich für den Nachbarn interessiert.
Aber wahrscheinlich will man einfach nur wissen, wann endlich Dreck, Lärm und Gestank ein Ende haben. Verstehen könnte ich es...

© Emlin Borkschert 2013