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An Englishman in New York – Kolumne von Emlin Borkschert

Das Gras wachsen hören

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Endlich Frühling. Sich das erste Mal nach langer Zeit wieder in den Gartenstuhl zurücklehnen und die Natur um sich herum genießen. Sonnenstrahlen. Die Stille. Zartes Grün, das überall hervorsprießt, die bunten Farbtupfer dazwischen. Wohltuend für Körper und Seele.
Noch vor vielen Jahren, als ich in der Stadt lebte und nur einen Balkon besaß, der direkt auf eine hochfrequentierte Straßenkreuzung hinausging, war mir Garten egal. Landleben egal. Ein Balkonkasten mit pflegeleichtem Efeu das einzige grüne Lebenszeichen, einmal gepflanzt und dann sich selbst überlassen. Selbst die Nachbarn klingelten an, um mich aufzufordern, das sich ungeniert ausbreitende Gestrüpp in Zaum zu halten. Es verschandele den Anblick der Fassade.
Bis sich mit dem Umzug nach Manrode und dem plötzlichen Besitz eines eigenen Gartens alles veränderte. Zwar kaum größer als eine Fußmatte, kam zur Notwendigkeit die Freude an der Bearbeitung der brachliegenden Fläche hinterm Haus. Buchsbaumhecken, Stauden und organischer Dünger lauteten die Herausforderungen jener Tage. Alte, vorhandene Sträucher herausreißen, Neues hineinpflanzen. Gießen. Und warten. Bis zum nächsten Frühling. Endlich.
Zwar habe ich – aus Platzmangel oder Faulheit – auf die Anlage einer Rasenfläche verzichtet, dennoch kann ich mir beim lang ersehnten Sitzen in besagtem Gartenstuhl gut vorstellen, das Gras wachsen zu hören. Solange jedenfalls, bis in der Nachbarschaft die ersten Rasenmäher ertönen, die mit ihren ohrenbetäubenden Motorgeräuschen jegliche Stille vernichten.
Manchmal macht es eben keinen Unterschied, ob man in Manrode wohnt oder auf einer dichtbefahrenen Straßenkreuzung sitzt. Und für einen Moment fühle ich mich in die gute alte Zeit in der Stadt zurückversetzt...

© Emlin Borkschert 2012

 
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