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Emlin Borkschert - "Stilles Wasser, tiefes Loch" PDF Drucken E-Mail

Emlin Borkschert1Beiträge rund um das Thema Schreiben, Bücher und Literatur veröffentlicht der in Manrode lebende Schriftsteller Emlin Borkschert seit einiger Zeit auf seinem Internet-Blog. Der Verfasser der Kolumne „An Englishman in New York“, die hier auf dieser Seite erscheint, hat zahlreiche Kurzgeschichten verfasst, sein Kriminalroman „Stille Wasser, tiefes Loch“ wird im Frühjahr 2014 im Buchhandel erscheinen.

Besucher aus aller Welt, sogenannte Follower, verfolgen die Blog-Beiträge bereits, Tendenz steigend. Leser aus den USA und sogar aus Australien sind mit dabei, wenn Emlin Borkschert Neuigkeiten aus seiner Heimat, Infos zu seinem aktuellen Krimi-Projekt „Egos Trip“ oder einfach nur so aus Spaß etwas postet.

Wer neugierig geworden ist und selber mal schauen möchte, was auf dem Blog passiert, einfach diesen Link anklicken: www.emlin-borkschert.tumblr.com!

 

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Manrode 21 oder Der seelische Beistand PDF Drucken E-Mail

An Englishman in New York – Kolumne von Emlin Borkschert

    Manrode 21 oder Der seelische Beistand

Manrode-0346Wir wollten nur ein bisschen renovieren. Keiner hat uns gesagt, dass daraus eine Lebensaufgabe werden kann.
Gut, ein Badezimmer ist wohl niemals ein kleiner Eingriff. Das war selbst mir als handwerklich interessefreiem Menschen irgendwie klar. Deshalb habe ich mit etwas Dreck und Lärm durchaus gerechnet. Mit Farbspritzern und Gestank ab und an. Müll, Kartons und Abdeckplane notgedrungen. Aber auch damit, dass nach spätestens zwei Wochen der Spuk vorbei wäre, ich in meiner neuen Wellnessoase relaxen und den Ärger über die Unannehmlichkeiten der letzten vierzehn Tage sozusagen die neue Toilette hinunterspülen könnte. Immerhin muss man sich enorm einschränken, so ohne fließend Wasser im Haus – wenn man das Gästebad mal außen vor lässt.
Doch fast zwei Monate später ist die neue Dusche immer noch nicht zu gebrauchen. Die Waschbecken haben mindestens zwei weitere Wochen Verspätung. Stattdessen wächst der Staub in den entlegensten Winkeln zu dicken Schichten heran und mit ihm der Eindruck, das Projekt wird zu unserem persönlichen Stuttgart 21. Vor allem, was die Kosten betrifft. Die Handwerker haben mittlerweile den Status von Untermietern, die sich auch zum Kaffee holen selbständig durchs Haus bewegen. Sogar ihr Bulli hat eine eigene Parkbucht auf Manrodes Hauptstraße erhalten. Auf diese Weise wird jedem, der daran vorbei fährt, zuverlässig signalisiert: hier wird renoviert. Immer noch!
In Zeiten der Not kommt der seelische Beistand von allen Seiten. Jeder, den man trifft, erkundigt sich höflich nach der aktuellen Sachlage, sei es beim Kommunionsessen, beim Hundeausführen oder beim Tanken. Manrode ist eben ein Dorf, in dem man sich für den Nachbarn interessiert.
Aber wahrscheinlich will man einfach nur wissen, wann endlich Dreck, Lärm und Gestank ein Ende haben. Verstehen könnte ich es...

© Emlin Borkschert 2013

 
Der Wagen stürzt ab PDF Drucken E-Mail
An Englishman in New York – Kolumne von Emlin Borkschert

Der Wagen stürzt ab


Sternenhimmel

Aufmerksame Spaziergänger werden es längst bemerkt haben. Der Wagen stürzt ab. Auch wenn es nicht viele Gelegenheiten dazu gab in den letzten Wochen. Denn wer lässt sich schon gerne nassregnen. Ganz langsam kippt er nach vorne. Für uns Erdenbewohner vor allem ein Zeichen: Winter. 


Der große Wagen ist einer der prägnantesten Erkennungszeichen, wenn man im Dunkeln über Manrodes Feldwege spaziert und dabei in den nördlichen Sternenhimmel schaut. Verlängert man dabei die gedachte Linie der beiden hinteren Kastensterne des großen Wagen um ein fünffaches, gelangt man direkt zum Polarstern, der den Norden markiert. Woher ich das alles weiß?

Für mich hat das Christkind vergangenes Weihnachten eine Sternenkarte gebracht. Für Einsteiger! Nur leider hat besagte Karte seitdem ein klägliches Dasein gefristet. Statt mitgenommen zu werden in die kalte Nacht, um mit ihr auf eine galaktische Entdeckungsreise zu gehen, lag sie faul auf einem Stapel alter Zeitschriften. Und fühlte sich womöglich wie Altpapier, das demnächst in der blauen Tonne entsorgt würde. Was für ein Freudenschrei muss durch ihren dünnen Einband gegangen sein, als die Frau in der Tagesschau verkündet hat, dass es wieder kälter wird, weil das bedeuten kann, dass der Himmel nachts sternenklar ist. Lasst uns daher Handschuhe aus ihren muffigen Verstecken befreien und dicken, selbstgestrickten Socken wieder einen Sinn im Leben geben. Stiefel haben das Recht, getreten zu werden, Schals dürfen lang gezogen werden. Lasst uns Manrodes Feldwege entlangschlendern, sobald es dunkel geworden ist, und den großen Bären, den Drachen und den Schwan suchen.

Der Sternenhimmel will erkundet werden. Und meine kleine Sternenkarte zeigen, was sie drauf hat.

© Emlin Borkschert 2013

 
Klingelmännchen und andere wunderbare Dinge PDF Drucken E-Mail
An Englishman in New York – Kolumne von Emlin Borkschert

Klingelmännchen und andere wunderbare Dinge

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Schön, dass es manche Dinge immer noch gibt.

Gestern bei meinem allabendlichen Spaziergang mit dem Hund habe ich das wieder gedacht. Als mir eine Horde Kinder entgegengekommen ist, die einen Riesenspaß hatte bei ihrem Spiel. Pingeljagd, oder wie man hier sagt: Klingelmännchen. Und so höflich. „Nein“, sagte das Mädchen, „hier dürfen wir nicht klingeln, hier wohnen alte Leute.“

Was mich vor eine interessante Frage stellt: Was werden die Kinder in Manrode eigentlich spielen, wenn es in ein paar Jahren ausschließlich alte Leute gibt? Richtige Antwort: Gar nichts, brauchen sie auch gar nicht. Warum das? Weil es in ein paar Jahren eh keine Kinder in Manrode mehr geben wird.

Denn warum sollten Familien mit Kindern in kleine Dörfer ziehen, in denen es keinen Kindergarten mehr gibt? Wo selbst im Nachbarort die Grundschule demnächst geschlossen wird? Das Dorf wird sterben, so wie das Schließen von Lebensmittelladen, Bank und Post schon vor Jahren die erste Alterserscheinung gewesen ist.

Was also tun, um das abzuwenden? Eine zweite interessante Fragestellung: Warum hat man die Grundschüler aus Manrode nicht einfach nach Bühne geschickt anstatt in das weitere Borgentreich? Vielleicht bin ich als Zugezogener ja nicht in der Lage, die Beweggründe zu verstehen. Aber für mich klingt das nach falschem Stolz. Und Stolz ist oft nur Dummheit, die nicht eingesehen wird. Stattdessen nimmt man lieber in Kauf, dass das Dorf stirbt...
Schön, dass es manche Sachen noch gibt. Genießen wir sie, solange es noch geht.


© Emlin Borkschert 2012

 
Kein Wetter-Text PDF Drucken E-Mail

An Englishman in New York – Kolumne von Emlin Borkschert

Kein Wetter-Text


Ich habe mir fest vorgenommen, keinen Text über das Wetter zu schreiben. Auch wenn es einen förmlich anspringt, das böse Wort mit „R“ würde niemals darin vorkommen. Außer in abgewandelter Form vielleicht, à la „sich regen bringt Segen“, was dem geneigten Leser vermutlich gar nicht auffallen würde. Ebenfalls erlaubt wären sinnfreie Redewendungen, wie „Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie“, die es aber erst mal im Text unterzubringen gilt. Und käme ich damit nicht vom Regen in die Traufe?

Wenn es sich gar nicht verhindern ließe, würde ich den Text in einer Fremdsprache schreiben, „I’m singing in the rain“ zum Beispiel. Doch warum sollte man bei dem Wetter singen? Würden sich die Nachbarn nicht darüber aufregen? Und wenn schon, wen es stört, schlage ich eine kurze Reise nach Regensburg oder – besser noch – Bregenz vor. Alle übrigen können es sich ja zuhause auf dem Sofa im Regency-Stil gemütlich machen. So rein zum regenerieren. Bei einer schönen DVD, „Rain Man“ mit Dustin Hoffman wäre ein guter Vorschlag. Sie haben speziellere Wünsche? Ein Unterhaltung mit den Regenten von Japan? Beim Sushi essen natürlich, vorab gäbe es eine appetitanregende Miso-Suppe. Oder finden Sie Sushi etwa ekelerregend?

Genug dergleichen. Ich befürchte, mein Vorhaben ist zum Scheitern verurteilt. Mein Text wird ein ganz normaler Wetter-Text werden. Ich wüsste einfach nicht, wie man es schaffen sollte, das schlimme R-Wort auf Dauer zu vermeiden. Fehlt mir nur noch der passende Anfang...

© Emlin Borkschert 2012

 
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