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über 1000 Jahre Manrode


Von Ananroth im Jahr 1009 bis zu Manrode im Jahr 2009
die 1000jährige Geschichte im Zeichen der Landwirtschaft


Das Leben im Dorf war über Jahrhunderte ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt. Die Erträge von Feldern und Wiesen und aus dem Wald dienten nur mühsam zur Deckung des Lebensbedarfs. Überschüsse wurden nur wenige erzielt. So gesehen war das Dorf eine kleine Welt, die aus sich heraus alles erzeugte, was für das Leben notwendig war. Das wird auch im damaligen Ananroth so gewesen sein.

Die Landwirtschaft des Mittelalters bestand hauptsächlich aus zwei Wirtschaftszweigen, dem Ackerbau und der Viehzucht. Eine zunehmende Bevölkerung führte zu intensiver Landbearbeitung. Aus dieser Notwendigkeit heraus entwickelte sich vor ca. 1000 Jahren die Dreifelderwirtschaft. Die einzelnen Felder wurden in einem abwechselnden Rhythmus bestellt. Im ersten Jahr wurde Wintergetreide angebaut, im zweiten Jahr Sommergetreide und im dritten Jahr blieben diese Äcker brach liegen, damit der Boden sich erholen konnte. Es gab größtenteils Gemeindeeigentum, aber auch vereinzelt Privateigentum. Diese Felder mussten eingezäunt werden, um sie der allgemeinen Nutzung zu entziehen. Auf vielen Äckern und Wiesen und an den Wegen standen verschiedene Obstbäume, deren Früchte den Dorfbewohnern zustanden.

In der Viehzucht des Mittelalters war die Stallhaltung von Kühen, Schweinen und Schafen, wahrscheinlich sogar von Federvieh weitgehend unbekannt. Lediglich in strengen Wintertagen und immer zur Abendzeit kam das Vieh von der Weide ins Dorf. Das Weiderecht für das Vieh der Dorfbewohner erstreckte sich auf die ganze Gemarkung. Ausgenommen waren die eingezäunten Grundstücke, das mit Getreide eingesäte Land und die Wiesen vor der Heuernte. War die Getreide- und die Heuernte eingebracht, dienten diese Flächen für das Vieh als sogenannte Stoppelweide. Meist wurde die Weide folgendermaßen eingeteilt: Die Frühjahrsweide begann auf den Wiesen, anschließend wurde das Vieh in den Wald getrieben. Bis Johanni kam das Vieh auf die Brachflächen, dann wieder in den Wald. Nach der Ernte folgte die Stoppelweide und danach die Herbstweide auf den Wiesen.

Das Vieh der Bauern wurde gemeinsam auf die Weide getrieben. Jede Gemeinde hatte deshalb einen Kuhhirten und einen Schweinehirten. Die Hirten zogen bei Tagesbeginn durch das Dorf und holten die Tiere ab, um sie zum Weideplatz und am Abend wieder zurück ins Dorf zu führen.

Unsere Vorfahren lebten im Mittelalter sehr eng mit den Tieren zusammen. Als Grundform eines Bauernhofes ist ein eingezäunter Hof zu nehmen, in dem sich die Wohnung und der Stall in einem Gebäude befanden. Diese Gebäude müssen zum größten Teil ärmliche Behausungen gewesen sein. Die Häuser wurden aus Baumstämmen roh zusammengezimmert, die Fugen füllte man mit Lehm aus und das Dach deckte man mit Stroh. Fenster gab es keine am Haus.

Was den Ort Ananroth betrifft, gibt es nur die Ersterwähnung durch den Bischof Meinwerk. Wie hat der Ort Ananroth damals ausgesehen, wie viele Häuser gab es, wo standen sie und wie viele Einwohner hatte Ananroth? Da auch vor 1000 Jahren Wasser lebensnotwendig war, hat man sich gerne an Wasserläufen angesiedelt. Wenn man das Gefälle im Ort betrachtet, könnten früher die drei Teiche durch einen Bach gespeist worden sein. Der erste Teich befand sich in der heutigen Schlenke, der zweite im Bereich der Quellenstraße und der dritte war der heutige Feuerlöschteich. Die ersten Hinweise ergeben die Katasterkarten von 1830. Hier sind Teiche eingezeichnet, die als Wasserversorgung für Menschen und Tiere dienten. So spricht einiges dafür, dass der alte Ortskern sich im Bereich der jetzigen Kirche und südlich davon befunden hat. Unsere kleine Zeichnung möchte dieses verdeutlichen.

Manroder-Teiche

Über die Bevölkerungszahlen des Dorfes Manrode liegen genaue Angaben erst ab Mitte des 17. Jahrhunderts vor. Im Bühner Pfarrarchiv sind im Jahre 1683 für Manrode 47 Familiennamen mit 186 Einwohnern aufgelistet.

Familiennamen 

Familia (Familie) Communicantes (Anzahl der Kommunikanten) Familia Communicantes
Die Schenke hatt 4 Vidua Kohlen 2
Ricus Halffaß 5 Frantz Ebbracht 5
Bernard Lohtman 2 Hen. Rempen 3
Hans Stuffach 8 Conrad Strombergh 5
Hen. Druden 4 Ricus Uffelmann 4
Johan Wymer 5 Johan Fricke (calvinista) 2
Johan Steinknepper 3 Vidua Brabenderß 4
Winkelhaußen Speicher 2 Vidua Krellinges 4
Anthon Sudermann 6 Hen. Düertodt 3
Adam Wreyen 5 Jobst Niggeman 5
Wittib Büttnerß 6 Bernard Waldig 2
Vincenß 3 Herman Maß 5
Stoffell Lang 4 Arnd Wrede 6
Stoffell Loßen 4 Cord Leiße 3
Johan Winter 6 Johan Schmidt 6
Engell Wreden Vacant Peter Gründer 5
Hans Jürgen Lateleff 6 Vidua Schütten 3
Liborius Krimmesieck 2 Schneid Hauß 3
Johan Wulff alias Leißen 3 Michael Fricken 4
Vidua Tönnießen 4 Vidua Busch 5
Crimas Rempen 4 Vidua Lateleffs 1
Johan Ritter 5 Wilhelm Winter 7
Loßen Strauß 3 Hennikeß Mülle 2
Stoffel Schnadbaum 2

 

Manrodensium familiarum et Communicantium numerus de anno 1683

(Quelle: Pfarrarchiv Bühne, Kirchenbuch)


Einige der dort aufgeführten Familiennamen gibt es heute noch im Ort, bei anderen hat sich die Schreibweise in den vergangenen Jahrhunderten geändert und wieder andere Namen gibt es nicht mehr.


Aus der Dorfchronik erfahren wir, dass es im Jahr 1818 in Manrode 57 bewohnbare Häuser gab. Der Hauptnahrungszweig der Gemeinde war der Ackerbau. In diesem Jahr wurde um das Gemeindeland ein Graben gezogen, welcher 4 Fuß tief und 3 Fuß breit ist. Auch wurde in diesem Jahr ein „Kaelberkamph“ angelegt. Auf diesem „Kaelberkamph“ wurden 36 Stück Eichen und um den „Kaelberkamph“ herum 60 Stück Obstbäume gepflanzt.

1830 wurde die erste Katasterkarte vom Kreis Warburg angelegt und daraus ergab sich zum ersten Mal eine Gesamtansicht der Ortschaft Manrode.


Karte1830

Zum vergrößern einfach auf das Bild klicken.


Man sieht auf dieser Karte die jetzige Trendelburgerstraße und die vorab schon erwähnten drei Teiche.

In einer Urkarte aus dem Jahr 1832 ist das jetzige Unterdorf bis hinauf zur Trift bebaut.

Karte7

Quelle: Katasteramt Höxter, Urkarte mit Fortschreibung (1832-1930)

Die in dieser Zeichnung von 1834 angegebenen Haus-Nummern hatten bis 1975 Gültigkeit. Die sogenannten Tagelöhnerhäuser sind schwarz dargestellt. Die Tagelöhner arbeiteten zum größten Teil bei den Bauern in der Landwirtschaft.

Die großen Bauernhäuser standen an der Hauptstrasse, die von Bühne kommend längs durch das Dorf Richtung hessische Grenze verläuft. Die kleineren und einfachen Häuser der Arbeiter und Tagelöhner waren auf kleineren Parzellen zu finden, die hinter der Hauptstrasse und um den Bereich der 1763 errichteten kleinen Kapelle lagen.

Die Wohnhäuser wurden je nach Ausstattung und Größe in die einzelnen Gebäudeklassen I bis VII eingestuft
(I = einfache Ausstattung bis VII = gehobenes Niveau).
Unsere kleine Tabelle zeigt die Angaben mit dem jeweiligen Grundbesitz.
Gebäudeklasse:( I )( II )( III )( IV )( V )( VI )( VII )
Wohnhäuser:  7   10   13   15   6   4   1
Durchschn. Grundbesitz in ha: 0,04   1,58   1,22   5,75   12,2   17,7  18,8

In den Jahren von 1769 bis 1833 wurden in Manrode 13 Häuser gebaut.

Die Hausbesitzer mit Berufsangabe, Gebäudeklasse und eigenem Landbesitz:


Nr. 48 Johann Ladleif, Schäfer III 0,08 ha
Nr. 49 a,b, Johann Finke, Tagelöhner III 0,01 ha
Nr. 50 Christian Weber, Tagelöhner III 0,02 ha
Nr. 51 Witwe Rose II 0,009 ha
Nr. 52 Johann Steicheln III 0,8 ha
Nr. 53 Georg Becker, Tagelöhner III 0,02 ha
Nr. 56 Ignatz Menne I 0,02 ha
Nr. 57 a Wilhelm Weber, Tagelöhner I 0,004 ha
Nr. 57 b Michael Stern, Handelsmann I 0,004 ha
Nr. 58 Anton Stromberg III 1,19 ha
Nr. 59 Johann Göllner, Tagelöhner II 0,004 ha
Nr. 60 Johann Hepe II 0,004 ha
Nr. 61 Körten Erben (Geschwister) I 0,003ha


Liste der Grundstückseigentümer mit Haus-Nr. aus dem Jahr 1834:

Nr. 1 Johann Stellpflug und Frau Theresia geb. Pape
Nr. 2 Wilhelm Fricke und Elisabeth
Nr. 3 Johann Fricke und Elisabeth geb. Fricke
Nr. 4 Ludwig Hecker und Wilhelmine geb. Stromberg
Nr. 5 Anton Wrede und Marie Therese geb. Hartmann
Nr. 6 Franz Finke und Frau
Nr. 7 Ignaz Dümpel und Frau
Nr. 8 Bernhard Frewer und Frau
Nr. 9 Bernhard Gründer und Elisabeth geb. Menne
Nr. 10 Johann Rasche und Frau
Nr. 11 Johann Wrede jun. und Frau Karoline geb. Menne
Nr. 12 Ludwig Hartmann
Nr. 13 Ignaz Hartmann und Maria Anna geb. Krull
Nr. 14 Johann Gründer und Elisabeth geb. Rocus
Nr. 15 Christian Frewer und Anna Maria geb. Götte
Nr. 16 Anton Hartmann und Anna geb. Winter
Nr. 17 Johannes Fricke
Nr. 18 Bernhard Gründer
Nr. 19 a Johann Happe
Nr. 19 b Wilhelm Lichtleuchter
Nr. 20 Friedrich Stromberg
Nr. 21 Anton Rose und Karoline geb. Hartmann
Nr. 22
Nr. 23 Anton Niggemann
Nr. 24 Bernhard Hengst
Nr. 25 Christian Stamm
Nr. 26 Johann Justus und Anna Maria geb. Niggemann
Nr. 27 Anton Justus
Nr. 28 Anton Frewer
Nr. 29 Ludwig Hecker
Nr. 30 Josef Löhr
Nr. 31 Georg Hengst
Nr. 32 Christian Künkeler
Nr. 33 Johannes Schiffmann
Nr. 34 Gertrud Lichtleuchter geb. Dürdodth
Nr. 35 a Johann Twiste jun.
Nr. 35 b Johann Twiste sen.
Nr. 36 Johann Burghardt (Grenzaufseher) und Frau Therese geb. Bohlen
Nr. 37 Fritz Karl Stromberg
Nr. 38 Josef Hartmann
Nr. 39 Bernhard Wrede
Nr. 40 Karl Stromberg
Nr. 41 Johann Lichtleuchter und Karoline geb. Frewer
Nr. 42 Johann Hartmann und Wilhelmine geb. Menne
Nr. 43 Johann Frewer sen.
Nr. 44 Johann Gründer
Nr. 45 Johann Frewer
Nr. 46 Ignatius Theodor Stamm und Friederica geb. Frewer (Ranzenmühle)
Nr. 47 Johann Gelhaus und Christine geb. Finke
Nr. 48 Johann Ladleif
Nr. 49 Wilhelm Finke und Elisabeth geb. Fricke
Nr. 50 Christian Weber
Nr. 51 Johann Rose
Nr. 52 Johann Steicheln
Nr. 53 Georg Becker
Nr. 54
Nr. 55 Micheal Stern / Wilhelm Weber je 1/2
Nr. 56 Johann Hengst und Anna Maria geb. Menne
Nr. 57
Nr. 58 Anton Stromberg
Nr. 59 Johann Göllner
Nr. 60 Johann Hepe
Nr. 61 Therese Korte
Nr. 62 Hermann Götte und Therese geb. Lichtleuchter
Nr. 63 Johann Twiste
Nr. 64
Nr. 65
Nr. 66 Wilhelm Henning und Anna Maria geb. Müller

 

Die von Tagelöhnern gepachteten Häuser und Grundstücke erlaubten nur ein sehr bescheidenes und karges Leben. In ihnen lebten Mensch und Tier eng beieinander; man versorgte sich größtenteils selbst mit Lebensmitteln. Nur wenige Häuser hatten keinen Garten, die Größe der Gartenparzelle reichte von 50 m² bis 2500 m².

Die Häuser der Tagelöhner zeigten deutlich den landwirtschaftlichen Charakter des Ortes. Die Tagelöhner versuchten das Notwendigste des alltäglichen Bedarfs durch ihre Gärten und ihren kleinen landwirtschaftlichen Nebenerwerb zu decken.

Laut Hypothekenregister von 1813 zahlten Tagelöhner mit geringer landwirtschaftlicher Fläche jährlich ein Huhn als Pacht. Für größere Flächen von 1,5ha - 3,5ha zahlten sie 3 Scheffel Roggen und 2 Scheffel Hafer. Die Abgabe der Pacht an die Grundbesitzer der Familie von Spiegel zu Bühne wechselte jährlich zwischen Ober- Uebelgönne und Burg Bühne. Bei Pachtrückständen wurden Beytreibungskosten erhoben.


Grundriss-Tageloehner

Grundriss eines Tagelöhnerhauses / Gebäudeklasse I - III

Überwiegend waren diese Häuser kleine, teilweise auch zweigeschossige Fachwerkhäuser, mit einer Grundfläche von etwa 60 m². Im Haus befand sich neben drei Zimmern, einer Küche und einer Kammer der Stall im Erdgeschoss. In der Regel konnte nur ein Zimmer beheizt werden. Der Stall eines Tagelöhnerhauses variierte in der Größe und reichte meist für eine Ziege und ein Schwein bis hin zu einer Kuh. Die obere Etage wurde oft als Speicher für Korn und Futter benutzt.

Neben den ärmlichen, kleinen Häusern der Tagelöhner gab es überwiegend an der Hauptstrasse liegend, die größeren Häuser der Bauern mit Grundbesitz.

Bauernhaus


Beschreibung eines Bauernhauses Gebäudeklasse IV bis VII


Die Häuser der Bauern mit größerem Landbesitz waren im Vergleich zu den Tagelöhnerhäusern um ein vielfaches größer und komfortabeler. Sie waren in der Regel zweigeschossig, mit einem hohen Giebel, unter dem reichlich Getreide, Stroh und Heu gelagert wurde. Es gab im Erdgeschoss eine große Deele, von wo aus die Zimmer zu beiden Seiten erreicht werden konnten. Durch Ofenrohre, die durch mehrere Zimmer gelegt wurden, konnten in der Regel diese Zimmer beheizt werden. Neben Stuben und Schlafzimmern gab es Gesindekammern, Vorratsräume, eine Räucherkammer, eine Milchkammer, eine Waschküche und teilweise war das Bauernhaus mit zwei – bis drei Räumen unterkellert.
An dem hinteren Bereich der Deele lagen die Stallungen für Schweine, Kälber, Kühe, Pferde und Kleinvieh. Angrenzend an das Bauerhaus gab es Scheunen, Geräteschuppen, einen großen Gemüsegarten und Streuobstwiesen.

Jedes Bauernhaus hatte in einem Querbalken über der Deele den Namen des Erbauers, einen Spruch und das Datum der Errichtung eingeschnitzt. Somit war auch noch nach Jahrzehnten das Alter des Hauses zu ersehen. Nur wenige Inschriften sind uns heute noch bekannt.


Inschriften:

Haus Nr. 45
An Gottes Segen ist alles gelegen.

Haus Nr. 43
In Flammen lag ich verborgen dar nieder,
mit Gottes Hilfe und Menschen Müh` steh ich hier wieder.
August Derenthal und Theresia Frewer haben dieses Haus
gebaut den 21 ten Juli 1864

Haus Nr. 30
Johann Leissen und Anna Christina Rehrmann haben
dieses Haus gebaut durch Gottes Hand nach dem Brandt.

Haus Nr. 18
Wilhelm Gründer und Karoline Meier haben dies Haus gebaut,
nicht aus Stolz und Pracht,
sondern der Feuerbrunst hat sie dazu gebracht.
Aufgerichtet den 20 st. September Deo 1800

Haus Rasche
Den 24. Mai (keine Jahreszahl!)
Mit Gott gebaut von Ignatz Rasche und Mina Hengst.

Haus Wrede
Mit Gott fang an, mit Gott hör`auf,
das ist der beste Lebenslauf.

Haus Nr. 12
Auf Gott Vertraut Haben Wir Dies Haus Gebaut
Anton Meier und Maria Wrede Den 15.5.1858

Haus Nr.52
Im Namen des Allerhöchsten haben wir dieses Haus gebaut,
der mag regieren und das Haus bewahre uns für Feuerbrunst.
Johannes und Karoline

Über dem Eingang der Schützenhalle stand: „Gott behüte dieses Haus, die da gehen ein und aus.“


1830 musste ein Bauherr aus Manrode für Bauholz 90 Thaler zahlen. Bei einem geringen Verdienst von 6 - 7 Mariengroschen entspricht der Preis für das Bauholz dem Lohn von ca. 500 Arbeitstagen. 1860 betrug der Kaufpreis eines Hauses nebst Gartenland etwa 205 Thaler. Zum Vergleich zahlte man einem Tagelöhner für bessere Arbeiten wie z.B. Mähen und Binden täglich etwa 5 Silbergroschen. (1 Thaler = 30 Silbergroschen) Somit mussten für das Haus ca.1230 Arbeitstage geleistet werden.

Einige Details, die den Häuserbau in der damaligen Zeit betreffen, sind überliefert. Zu dieser Zeit wechselten viele Grundstücke und Häuser ihren Besitzer. So kaufte der Tagelöhner Johann Göllner im Jahr 1828 von der Gemeinde das Grundstück Nr. 59 und erbaute ein Haus darauf. 1853 überschrieb er das Haus an seinen Sohn, den Leineweber Wilhelm Göllner. Das im Jahr 1827 erbaute Haus Nr. 60 der Geschwister Hepe wurde bereits um 1860 wieder abgerissen. Das unbebaute Grundstück wurde 1865 an den Zimmermann Christian Rasche verkauft. Bernhard Gründer, Manrode Nr. 18, verkaufte den sogenannten Altenteiler 1842 an den Tagelöhner Wilhelm Scherf für 160 Reichsthaler. Durch einen Kauf- und Tauschvertrag mit dem Handelsmann Isaac Löwy kam Scherf 1857 zu dem Haus Nr. 28 mit den dazugehörigen Gartengrundstücken. 1858 brannten beide Häuser ab. Nur das Haus Nr. 28 wurde wieder aufgebaut. 1865 überschrieb Wilhelm Scherf das Haus an seinen Sohn Heinrich Scherf.

Am 12.04.1864 kamen bei einem Großbrand in Manrode 13 Häuser zu Schaden. Der Chronist vermerkt: „Sie hatten einen Brandschaden durchweg total mit geringen Überbleibseln.“ Es bekamen folgende Hauseigentümer eine Entschädigung von der Versicherung ausgezahlt: Nr. 3 bis 9, 41 bis 43, 45, 58. Drei Besitzer erhielten geringe Entschädigungen: Nr. 2,10,62. In dem gleichen Jahr und in den folgenden Jahren wurden die Häuser wieder aufgebaut.

Während 1843 noch durchschnittlich sieben Personen in einem Privatwohnhaus wohnten, verringerte sich der Mittelwert bis 1871 auf fünf Personen. 1847 wohnten in jedem zweiten Haus zwei Familien. Dieses änderte sich bis 1925 auf eine Familie pro Wohnhaus. 1843 standen in Manrode 66 Wohnhäuser, deren Anzahl bis 1871 auf 76 anwuchs und sich bis 1900 wieder auf 66 verringerte. Die Bevölkerung von Manrode war wie die Anzahl der Wohnhäuser im 19. Jahrhundert relativ konstant. Auffallend ist lediglich der Rückgang der Bevölkerung zwischen 1852 und 1867, als die erste Auswanderungswelle nach Amerika stattfand. Die zweite Verringerung der Einwohnerzahl zwischen 1875 und 1907 lässt sich aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage erklären, als viele Personen im Ruhrgebiet bzw. in Schlesien, Böhmen oder Mähren ihr Einkommen suchten.

Um 1900 hatte Manrode
363 Einwohner
2 Gasthäuser
1 Schmied
4 Tischler
1 Wassermühle

Statistische Tabelle: Manrode

 




Häuser Ställe,Scheunen Einwohner Familien Ehen


1843 1847 66
68
12
14
469
485
110 94 100


1849 1852 1867 72
73
73
16
13
485
470
389
92
92
80
78


1871 1875 76
71

370
402
80
78



1907

357 68


1925 74
459 74


In den Jahren 1902 bis 1936 dehnte sich Manrode nach Westen und Norden aus. Es wurden die Häuser an der jetzigen Trendelburgerstraße von der Straße Zur Trift bis Ortsausgang Bühne gebaut und weitere Häuser an der Straße Zur Trift Richtung Borgholz.

Als Beispiel führen wir den Neubau des Hauses Nr. 91 in der jetzigen Straße Zur Trift an. Bauherr war der Tagelöhner und Landarbeiter August Wollrath. Er beantragte 1927 ein zinsloses Darlehen zum Bau seines Hauses. Die Baukosten betrugen 9000 Mark. Er überbaute eine Grundfläche von 125 qm, die Hälfte davon als Stall und Tenne.

Das 1 ½ geschossige Wohnhaus hatte sechs beheizbare Zimmer und einen komplett unterkellerten Wohnteil. Der Grundriss des Erd- und Kellergeschosses zeigt deutlich die Raumaufteilung mit dem großen Bereich für den landwirtschaftlichen Nebenerwerb des Eigentümers.


Um das Jahr 1930 begann man mit dem Bau einer Gemeindehalle, das angrenzende Spritzenhaus wurde 1932 errichtet. Laut Zeitzeugen wurde die Gemeindehalle durch den Bauunternehmer Clemens Otto errichtet, wobei ein großer Teil der anfallenden Arbeiten durch die Eigenleistung der Manroder Bevölkerung bewältigt werden musste.

Nach dem 2. Weltkrieg musste der Ort Manrode zahlreiche Flüchtlingsfamilien aufnehmen. Zunächst wurden diese auf die vorhandenen Haushalte verteilt. Später blieben viele Familien im Ort und bauten sich hier eine neue Existenz auf.

In den sechziger Jahren begann in Manrode erneut ein Bauboom. In der Rosenstrasse begann man 1954 mit dem Bau von Einfamilienhäusern. Die Häuser hatten alle ein angrenzendes kleines Stallgebäude mit der Möglichkeit der Kleinviehhaltung und einen großen Garten. In dieser Zeit versorgten sich viele Familien zum Teil mit dem, was im Garten angebaut wurde. Der Garten wurde überwiegend als Nutzgarten gesehen.

Auch im übrigen Dorf herrschte in den 70er Jahre eine rege Bautätigkeit. Viele der alten Fachwerkhäuser wurden abgerissen und durch massiv errichtete Neubauten ersetzt. Schon nach einigen Jahren hatte sich das Ortsbild sehr verändert. Da der Zahn der Zeit an der alten Schule nagte, entschloss man sich 1965, auf der Kalsbrede ein neues modernes Schulgebäude zu errichten. Auch die Gemeindehalle sollte renoviert werden und wurde 1972 in Eigenleistung umgebaut. 1975 entschloss man sich, die Friedhofskapelle zu bauen.

Im Jahr 1975 verlor die Gemeinde Manrode durch die kommunale Gebietsreform ihre Selbständigkeit und ist seitdem ein Ortsteil der Stadt Borgentreich.

Ab diesem Zeitpunkt wurden Straßennamen eingeführt, was dazu führte, das die alten Haus-Nummern, die es seit mindestens 1830 gab, ihre Gültigkeit verloren und durch neue ersetzt wurden.


Unsere nachstehende Tabelle zeigt die Umstellung:


Da auch die Nachfrage nach neuen Bauplätzen groß war, wurde 1980 ein neues Baugebiet westlich vom Ortskern ausgewiesen. Auf dem sogenannten „Pfingstanger“ entstanden in den Jahren danach 28 neue Wohnhäuser.

Im Gegensatz zu den Häusern in der Kaiser- und Rosenstraße handelt es sich um reine Wohnhäuser ohne Stallungen und nicht mehr so großen Gärten.

Nachdem die Schule in Manrode 1978 geschlossen wurde, entschloss man sich einige Jahre später, dort einen Kindergarten zu errichten. Dieser wurde 1987 feierlich eingeweiht, aufgrund sinkender Kinderzahl aber bereits im Jahre 2006 wieder geschlossen.

Im Jahr 1997 entschied der Rat der Stadt Borgentreich, das vorhandene Baugebiet nicht zu erweitern, sondern 29 neue Bauplätze auf der „Kalsbrede“ auszuweisen. Hier wurden in den letzten Jahren 15 neue Wohnhäuser gebaut. Somit stehen für Bauwillige noch freie Bauplätze zur Verfügung.
Die jetzige Größe mit seiner ganzen Ausdehnung zeigt uns die aktuelle Übersichtskarte von Manrode:


Karte Manrode Aktuell

Zum vergrößern einfach auf das Bild klicken.


Am Ende des Jahres 2008 hat Manrode 524 Einwohner.

Kommen wir zurück zur Bedeutung der Landwirtschaft.
In den vergangenen Jahrhunderten gab es bis zum 19. Jahrhundert keine großen Veränderungen in der Landwirtschaft, was Viehhaltung und auch Ackerbau betrifft.

Ab 1850 trat eine entscheidende Veränderung im Ackerbau ein. Durch die mögliche Anwendung von Mineraldüngern wurden ab diesem Zeitpunkt die Erträge enorm gesteigert. Dieses und auch die spätere Anwendung von Spritzmitteln gegen Unkräuter, Blattkrankheiten und Schädlinge steigerten die Erträge bis heute weiter.

Eine große Änderung wurde auch durch die Motorisierung in der Landwirtschaft herbeigeführt. Bis ins 20. Jahrhundert wurden Pferde und Kühe als Zugtiere angespannt. Mit der Erfindung des Verbrennungsmotors wurden Schlepper für die Landwirtschaft entwickelt.

Die ersten Schlepper in Manrode, einen „Lanz Bulldog“, hatten um 1935 die Landwirte Johann Wrede, Haus Nr. 18, und Clemens Otto, Haus Nr. 83a, der eine Dreschmaschine damit antrieb.

Nach dem 2. Weltkrieg ab 1950 schufen sich auch die anderen Landwirte in Manrode Schlepper an, die zwischen 16 und 25 PS hatten. Heute haben die Schlepper ein Vielfaches davon.

Auch die anderen landwirtschaftlichen Maschinen wurden weiterentwickelt. Dieses wird bei der Getreideernte deutlich. Mähte man früher das Getreide mit der Sense, kam eine Erleichterung durch den Mähbalken und den Selbstbinder, die von Pferden gezogen wurden. Durch die Anschaffung der Schlepper konnte der Selbstbinder durch die Zapfwelle des Schleppers angetrieben werden.

Ab 1960 kamen die ersten Mähdrescher nach Manrode, die anfangs vom Schlepper gezogen wurden und wenige Jahre später von den Selbstfahrmähdreschern abgelöst wurden. Die heutigen Mähdrescher haben eine Schnittbreite von bis zu 9 Metern.

Durch diese Motorisierung wurden in Manrode immer weniger Arbeitskräfte in der Landwirtschaft benötigt und viele kleine Betriebe konnten nicht mehr rentabel wirtschaften. Einige Landwirte führen ihre Betriebe noch im Nebenerwerb weiter. Andere haben die Bewirtschaftung ganz aufgegeben und die landwirtschaftlichen Eigentumsflächen an andere Landwirte verpachtet.

In Manrode gibt es zurzeit noch zwei Vollerwerbslandwirte, einer davon hält noch Kühe und liefert Milch an eine Molkerei. Somit hat die Bedeutung der Landwirtschaft für die Ortschaft Manrode stark abgenommen.

Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Manrode kaum noch. Lebensmittelgeschäft, Post und Bank haben in den letzten Jahren die Pforten geschlossen, so dass die alltäglichen Einkäufe und Erledigungen in den größeren Nachbarorten getätigt werden müssen. Viele Einwohner haben ihre Arbeitsplätze in der näheren und weiteren Umgebung. Manche müssen bis Paderborn oder Kassel fahren. Dennoch findet man in Manrode einige Gewerbebetriebe, die sich im nachfolgenden Artikel vorstellen.

Wichtig sind auch ausreichende Arbeitsplätze in der näheren Umgebung von Manrode. Hier müssen gerade im ländlichen Raum die Voraussetzungen für die Ansiedlung von neuen Betrieben geschaffen werden, damit neue Arbeitsplätze entstehen können.

Kleine Dörfer wie Manrode müssen in der Zukunft für ihre Einwohner lebenswert bleiben. Dazu gehören neue Bauplätze, die in Manrode zurzeit noch ausreichend vorhanden sind, damit junge Familien die Möglichkeit zum Bau eines Eigenheimes bekommen.

Aber auch die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung gehören zu einem lebenswerten Dorf dazu. Diese Möglichkeiten bieten unter anderem die Vereine in Manrode an, die für ein intaktes Dorfleben sehr wichtig sind.

Wir alle hoffen, dass der Ort Manrode auch in Zukunft attraktiv bleibt und die Einwohner sich hier wohlfühlen werden.


Mit freundlicher Genehmigung von Ulrich Mantel